Die geschichte von Sarlóspuszta
| Die naturschätze von Sarlóspuszta


DIE NATURSCHÄTZE VON SARLÓSPUSZTA

Sarlóspuszta befindet sich auf einem der großen Gebiete Ungarns, auf der Tiefebene, näher bestimmt auf dem Donau-Theiß- Zwischenstromland.Verwaltungsmäßig gehört dieses Gebiet zu dem Komitat Pest, und wegen seines Klimas, seiner Hydrographie und seiner Flora und Fauna gilt es als Zuständigkeitsbereich des Nationalparks Kiskunság.

Einige Worte über den Nationalpark

Er wurde als Zweiter nach dem Nationalpark zu Hortobágy im Jahre 1975 gegründet.Die Einheimischen, das Komitat und auch die Stadt Kecskemét unterstützten den Plan des Nationalparks, damit dieser Nationalpark mit zersplitterten Bauernwirtschaften seinen Charakter und seinen Wert entsprechend schützen kann.Während der Naturschutz anderswo nur eine Beschränkung und ein Verbot bedeutete, galt er hier von Anfang an als Stolz.Außer dem Naturschutz bekamen auch die traditionelle Viehzucht auf der Puszta, der Schutz des Gehöftsystems, die wissenschaftliche Forschung, der Unterricht, die Kenntnissenverbreitung, der Fremdenverkehr und die Unterstützung des traditionellen Reitsports eine wichtige Rolle.
Die Besonderheit des Parks besteht darin, dass er nicht auf einem weitliegenden großen Gebiet liegt, sondern aus mehreren vereinzelten Gebieten von verschiedener Größe, deshalb kann er als Mosaik-Park bezeichnet werden.Diese Gebiete bildeten einst ein einheitliches Flächenausmaß, dann wurden sie durch die Verbreitung der Landwirtschaft voneinander getrennt.Die Flora und Fauna zeigt aber auch heute den ehemaligen Zusammenhang dieser Gebiete.

Unter unseren Schritten...

Wenn man über Kleinkumanien hört, fallen einem in erster Linie die Sandbuckeln ein. Dieser Sand wurde durch die vor 4-5 Millionen Jahren erscheinende Ur-Donau angeflößt, obwohl sich der Fluß damals noch örtlicher erstreckte.In den eisfreien Zeiten zwischen den Glazialzeiten wurde der Sand durch den Wind aus dem Flußbett davongetragen, der später Löss und Flugsand wurde und unter dem Sand überall befindlich ist.Infolge der nordwestlich-südwestlichen Windwirkung gestaltete sich dieser Sand zu Sandrücken mit welliger Oberfläche, unter den kleinere, seichte Teiche (30-50 cm tief) stecken, die bei der Sommerhitze dunsten; sie können austrocknen, ihr aufgelöster Salzgehalt kann eindampfen.Das sind die sogenannten Alkali-Teiche/Alkali-Seen und Alkaliböden, die die einzigartige Pflanzen- und Tiergesellschaft der Landschaft leben lassen.
Unter dem Löss und Sand erstreckt sich aber überall die dicke Ablagerung der Ur-Donau, und darunter die Scharung des einst hier wallenden Pannon-Landsees.

Wie der Blitz aus heiterem Himmel...

Sarlóspuszta befindet sich auf dem wärmsten Gebiet des Karpatenbeckens, so vergeht der Sommer mit viel Sonnenschein.Wer aber die Winterromantik mit viel Frost und Schnee gern hat, der kann hier den kältesten Winter "genießen". (Vielleicht in den Karpaten, auf dem Szeklerland herrscht ein strengerer Winter.)Die Temperatur liegt an den wärmsten Tagen bei +35Co, aber an den kältesten Tagen -16Co.Das bedeutet einen Temperaturunterschied von 51C.Ab erster Woche April bis zum Ende Oktober kann kaum auf Frost gerechnet werden.Es gibt wenig Niederschlag. 550mm/Jahr gilt auf exotischen Gebieten als Halbwüstenklima.

Wildwasserland

Die beiden Flüssen der Landschaft sind die Donau und die Theiß, zwischen denen die Sandrücken als Wasserscheide funktionieren.Vor der Flußregelung gab es entlang den Flüssen zahlreiche ständige und periodische Wasserfläche, natürliche Gerinne, Moore, Sümpfe, Teiche.Seitdem die Dämme und Kanäle die Landschaft gestalten, verwandelten sich die eigenartige Lebensform und die Wirtschaft auf dem Überschwemmungsgebiet.Die ehemalige Wasserreichlichkeit wird auch heutzutage durch die mehr als 150 Stillwasser, Altarme, Sümpfe und Moore hervorbeschwört.

Wo sich die Erde und der Himmel vereinigen

Entlang den beiden großen Flüssen erstreckt sich eine abwechslungslose Landschaft.Hier befindet sich aber der niedrigste Punkt des Landes (in der Nähe von Szeged, 76m), aber die Landschaft ist in der Gegend nicht höher als 110m.Der höchste Punkt zwischen den beiden Sandrücken ist der Ólom-Berg mit 172m.Die Oberfläche wird durch die Sandbuckeln und durch die kleineren Teiche und Moore abwechslungsreich gemacht.

Die Welt der Puszten

Wenn es geschafft werden könnte, zeitlich 2-3000 Jahre zurückzugehen, würde die uralte, umberührte Puszta vergeblich gesucht.Damals bedeckten Moor, Wälder und Wiesen die Tiefebene - unter anderen wegen einer Klimaänderung mit Abkühlung.Die Waldsteppe kann also als Naturflora der Tiefebene betrachtet werden.Die waldlose Pusztalandschaft erinnert uns an die Kultur der historischen Zeiten.Deshalb wurde der Szalag-Wald in Kunpeszér im Jahre 1998 für geschützt erklärt.

Unser Mosaik: das Rohrdickicht

Das von 4 Gemeinden (Kunadacs, Kunbaracs, Kunpeszér, Tatárszentgyörgy) umgebene Gebiet wurde im Jahre 1996 zum Bestandteil des Nationalparks.Es erstreckt sich anliegend an der Donau-Terrasse und dem Sandrücken, wo die Überschwemmung und das Grundwasser einst eine ständige Sumpfwiese geschaffen haben.Es wird im Volksmund Rohrdickicht (auf Ungarisch " turjános") genannt.Dank der traditionellen Wirtschaft hat es auch heute in seinem natürlichen Zustand fortbestehen können.Einst bedeutete der sich im Rohrdickicht einkesselnde Wolf für den Weidegang eine echte Gefahr.In den Romanen erwähnt auch Mór Jókai, der berühmte und beliebte ungarische Schriftsteller die Kämpfe mit diesen Tieren.Heutzutage ist das Gebiet nur wegen der hier nistenden und überziehenden Vogelwelt berühmt.
Die interessantesten Blumen seiner Flora sind die Orchideen.Auf den Tropengebieten wachsen 25.000 Orchideenarten, bei uns nur 20-30, alle geschützt und bodenständig.Die als Orchis bezeichneten Blumenkuriositäten blühen nur auf dem Gebiet, wo verschiedene Bedingungen allzumal an Ort und Stelle erfüllt werden: Feuchtigkeit, einige Pilzarten, und eine besimmte Waldbienenart sollen bei der Bestäubung " anwesend " sein.Die Besonderheit der Blume besteht darin, dass sie eine bienenähnliche Form und Farbe hat, und " produziert" solche Duftstoffe, die den der Bienen entsprechen.Wenn diese Bedingungen nicht erfüllt werden, kann die Orchis in 1-2 Jahren aussterben.


Die Tiere des Wildparks von Sarlóspuszta

Das Damwild

Heute ist die Art über ganz Europa verteilt, aber in Ungarn kommt das Damwild seltener vor, als das Rotwild.Der bevorzugte Lebensraum sind lichte Mittelwälder in der Ebene.Das Damwild ist äußerst anpassungsfähig.Das Tier ist Wiederkauer und somit ein reiner Vegetarier.Sie ernähren sich von Gras und Laub.Sie verbeißen auch die Rinde von Bäumen, und können auf den Wirtschaftsgebieten Schäden anrichten.Die Paarungszeit (Brunftzeit)der Damhirsche ist Mitte Oktober.Dann kämpfen die Böcke, um immer mehr Weibchen um sich anzulocken.Die Hirsche schreien dann, indem sie weit schallende, orgelartige Töne hören lassen, wobei die stärkeren und schwächeren abkämpfen.Der stärkste Hirsch bleibt beim Rudel als Platzhirsch, hält dies zusammen und duldet keine Nebenbuhler.Nach einer Tragezeit von 8 Monaten trennt sich das trächtige Weibchen vom Rudel und bringt 1-2 Kälber mit gelb- braunem Fell zur Welt.Nach zwei Tagen steht das Kalb auf und folgt seiner Mutter.Damhirsche sind recht gesellige Tiere.Einzelgänger sind nur einige von ihnen - meist handelt es sich dabei um ältere oder kranke Individuen.Sie leben im Durchschnitt 20 Jahre.

Das Muffelwild

Von ihm stammt das Hausschaf.Nach der Eiszeit - hauptsächlich wegen der Jagdtätigkeit unserer Ahnen - gab es nur auf Sardinien und Korsika unverfälschte oder weitgehend reine Wildbestände vom Mufflon.In Ungarn wurden je 2 Paare im Jahre 1868 freigelassen, von ihnen stammt der heutige Mufflonbestand.Im ungarischen Verbreitungsgebiet lebt das Muffelwild bevorzugt in den Laub- und Mischwaldgebieten der Mittelgebirgslandschaften sowie des Flachlands.Das Muffelwild ist ein "Graser", aber es ist an den tiefen Schnee nicht gewöhnt, deshalb ist es im Winter auf die menschliche Hilfe angewiesen.Böcke und weibliche Mufflons bilden mit Ausnahme der Paarungszeit getrennte Gruppen.Zur Brunftzeit hört man das Aufeinanderknallen der Hörner kilometerweit.Aber die Widder bekommen dabei keine Verletzungen.Ende März wird meist nur ein Lamm geboren.Das Laufjunge folgt schon nach 2 Stunden der Mutter.Die Merkwürdigkeit der Tiere besteht darin, dass sich ein Bezoarstein mit einem Durchmesser von 1-2 cm in ihrem Magen bildet, dem die Volkstradition eine Heilkraft beigemessen hat.

Das Schwarzwild

Diese Tiere sind in ganz Europa verbreitet.Feuchte Laub- und Laubmischwälder bilden zweifellos die günstigste Lebensweise.Für den Winter brechen sie sich windgeschütztes Lager; im Sommer meiden sie nur ganz offenes Gelände ohne jegliche Deckung.Wildschweine kann man als echte Allesfresser bezeichnen.Sie fressen alles, was vor ihre empfindliche Nasen kommt.Neben Eicheln und Bucheckern sowie Feldfrüchten aller Art nehmen sie Würmer, Schnecken, Insekte, Bodenkleingetier.Ihre Rauschzeit findet in den Wintermonaten statt, und ereignet sich versteckter, als die bei den Hirschen.Die Frischlinge kommen im Allgemeinen im März zur Welt.Im Durchschnitt bringen jüngere Bachen 3-5, ältere 6-8 Frischlinge zur Welt.Die Bache verlässt den Wurfkessel mit ihren Frischlingen nach einer Woche.Im Allgemeinen leben sie in Rotten, ältere Eber sind Einzelgänger.Die Hierarchie in der Rotte wird mit schweren Kämpfen bestimmt.Ihre Kommunikation besteht aus komplizierten Tonfolgen.

Freilebende Haustiere

Auf der unendlichen Ebene weideten bekannte und einheimische ungarische Haustierrassen in Viehherden und Gestüten jahrhundertelang überall in Europa: das Pferd, das Graurind, das Zackelschaf, das Schwein, die Ziege, die Ackergans und zahlreiche andere Kleingetiere.

Das Graurind

"In Bazsgér (das heißt: in Ungarn) lebt ein großes Wildtier, so groß, wie ein Elefant, sein Fell selbst wiegt so viel, wie zwei starke Rinder.Sein Kopf ist so groß, wie ein Kalb.Seine Hörner sind so groß und lang, wie der Rüssel des Elefanten.Es wird gejagt und so genannt:Attakda.Ein wunderbares Tier." So sah und beschrieb der arabische Reisende und Händler, Abu Hamid das Graurind vor 1000 Jahren.Die Zucht und der Handel dieses großen, starken aber ruhigen Tieres trug bedeutend bei, dass Ungarn in der Regierungszeit von Matthias dem Gerechten ein Leben mit Kultur und Wohlstand führte - und damit einen Vorrang in Europa hatte.Das Schatzamt finanzierte den Kampf gegen die Türken mit dem aus dem Graurindhandel aufkommenden Dreißigstzoll.Das ungarische Graurind war teurer als das Gold.Es war wegen seiner Qualität im Ausland gefragt und begehrt.Dieses Tier lebte überall gut, war Allesfresser, er fraß alles: Gras, Schilf, Lisch, Rusch; im Winter suchte es auch unter dem Schnee das Laub.Die auf den üppigen, durch die Fließe bewässerten Weiden angemästeten Tiere wurden gegen St.-Vitus-Tag - direkt von der Puszta - bis zu den Märkten von Wien, München, Strasburg, Venedig getrieben.Vielmals ließ man sie tausendweise die Donau durchschwimmen - kaum hat der Händler dabei einen bedeutenden Verlust.
Die Metzger der westlichen Städte kauften ungarische Graurinder, weil es gemeinkundig war, dass dieses Tier allen Krankheiten widersteht.Ein gutes Beispiel ist dafür das Protokoll zu Nürnberg, in dem festgeschrieben wurde: die Stadt kaufte im Sommer 1730 300 Graurinder bei uns, obwohl es in Österreich und Deutschland Rinderpest gab.Für den Herbst kam die Rinderherde fast vollzählig und frei von Ansteckung in der Stadt an.
Die Rinderherden weiden heutzutage in den Nationalparken, auf dem Gebieten frei von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln.
So hat das Fleisch solcher Tiere ein hohes Eisengehalt, und ein besonderes Aroma (wegen der Kräuter), und ist cholesterinarm.

Das ungarische Zackelschaf

Das ungarische Zackelschaf ist eine arteigene, von Ungarn hochgezüchtete Schafrasse.Es ist anspruchlos, eine an karge Nahrung der Steppenregionen und die dortigen Witterungsverhältnisse angepasste Schafrasse.In dem Karpatenbecken wurden zwei Abarten dieser Rasse gezüchtet und gehalten: die von Hortobágy ("racka") und die von Transsylvanien/Siebenbürgen ("cigája").Die besondere Hörnergestaltung bei der Rasse von Hortobágy ist wahrscheinlich den Selektionsvorgängen zu verdanken.Besonders in der Puszta von Hortobágy ist für die Tiere die V-förmig und zugleich korkenzieherförmig gestellte Hornform charakteristisch.
Das Schaf war, wie das Rind, eine relativ gute Milchrasse und sogar eine lebendige Fleischkonserve.Der Fleischüberschuss wurde von unseren Ahnen durch Trocknung konserviert.Ihre Zelte, die Jurten wurden aus Filz, der Filz wurde aus Zackelschafwolle angefertigt.Die Schafblöße wurde auf vielerlei Weise angewendet: daraus wurden Schafpelz, Pelzmantel, Schafsfellweste, verschiedene Decken angemacht.Bis zum XVIII.Jahrhundert galt das ungarische Zackelschaf als vorherrschende Rasse in Ungarn.Allmählich gingen aber immer mehr Großgrundbesitzer in der ungarischen Tiefebene zur Haltung und Zucht von Merinoschafen über, weil es bei diesen Tieren einen höheren Reinwollertrag gab.
Der Rassenwechsel ging also gar nicht reibungslos.Es ist nicht zufällig, dass die Zackelschafzucht ausgerechnet auf der Tiefebene - in der Hortobágy und in Kleinkumanien- fortbestand.

Literatur: Rakonczay Zoltán (Red.): Von Kleinkumanien bis nach Bácsalmás, Verlag Landwirt,2001
Pannon Enzyklopädie, Die Flora von Ungarns, Donauknie 2000, Budapest, 1995